in Arbeit
Urban Genesis
Kinodokumentarfilm in progress
CH/DE/ETH
90 min.
HD

Internationale Architekten und äthiopische Bauern haben sich zusammengeschlossen, um sich dem Problem der Landflucht zu stellen. Kann eine nachhaltige Modellstadt den Weg aus der sich global verschärfenden Urbanisierungskrise weisen?

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Äthiopien steht vor scheinbar unlösbaren Herausforderungen. Es gehört zu den Ländern mit dem weltweit stärksten Bevölkerungswachstum und ist von der Landflucht besonders betroffen. Aufgrund fehlender Lebensperspektiven strömen jedes Jahr Millionen junge Menschen in die äthiopischen Städte. In wenigen Jahrzehnten werden über zwei Drittel der Bevölkerung städtisch leben. Die Metropole Addis Abeba wächst explosionsartig. Bereits heute mangelt es an Platz, an der nötigen Infrastruktur und an Arbeitsstellen.
FASIL GIORGHIS, Architekt und Professor für Städtebau am EiABC der Universität Addis Abeba, versucht zusammen mit Kollegen wie ZEGEYE CHERENET auf den enormen gesellschaftlichen Druck einzuwirken. Giorghis und Cherenet befürchten eine politische Destabilisierung, denn noch leben über 80% der Bevölkerung Äthiopiens als Subsistenzbauern auf dem Land. Die starke Wanderbewegung war 2016 mitverantwortlich gewesen für einen Aufstand, den die damals Herrschenden blutig niedergeschlagen hatten.

TILAHUN AYELEW bewirtschaftet mit seiner Frau und seinen zwei Kindern ein winziges Stück Ackerland mit archaischen Mitteln. Die Familie kann sich nur knapp davon ernähren. Eine Perspektive für die Zukunft gibt es kaum. Tilahuns neunzehnjähriger Sohn will in die Stadt, denn das kleine Stück Land, von dem er einmal die Hälfte erben wird, bietet ihm keine Lebensgrundlage. Als Fremde von weither in Tilahuns Leben treten und den Bewohnern des Dorfes Bura anbieten, sich am ungewöhnlichem Projekt einer experimentellen kleinen Modellstadt namens BuraNEST zu beteiligen, ergreift der Bauer die Chance. Neben den äthiopischen Städtebauern aus der Hauptstadt ist auch ein Weisser dabei, der Schweizer Franz Oswald.

FRANZ OSWALD ist emeritierter Professor für Architektur und Stadtplanung an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich. Er hatte die Idee zu dieser New Ethiopian Sustainable Town, kurz NESTown. Der Ansatz ist radikal. NESTown ist das einzige von 146 Stadtentwicklungsprojekten in ganz Afrika, das dem «Bottom Up»-Ansatz folgt. Oswald will mit BuraNEST „dörfliches No Future“ in eigenfinanzierte und selbstverwaltete kleinurbane Strukturen überführen. Die Bauern sollen die Hauptrolle spielen. Gelingt das Experiment, will die äthiopische Regierung hunderte solcher kleiner, untereinander zu vernetzenden Landstädte mit integrierter Landwirtschaft bauen lassen. Das wäre ganz neuartige Perspektive, nicht nur für die Millionen von Bauern in Äthiopien, sondern für viele andere Entwicklungsländer.
Trotz anfänglichen Bedenken gegenüber dem Projekt verkauft der Bauer Tilahun seinen Arbeitsochsen, erwirbt mit dem Erlös einen Wohnblockanteil und arbeitet härter als jeder andere beim Aufbau der Modellstadt mit.

Die Zuschauer erleben das wagemutige Abenteuer aus drei Perspektiven mit, der Perspektive des Bauern vom Land, derjenigen der Planer aus Addis und derjenigen des europäischen Visionärs. Der Film begleitet die Errichtung der Modellstadt während vier Jahren und stellt das Projekt in den Kontext der demographischen, politischen und städtebaulichen Entwicklung Äthiopiens. Die damit verbundene Problematik steht stellvertretend für die aktuellen dramatischen Entwicklungen in vielen Ländern Afrikas und Asiens.

Crew

Buch / Regie: Dodo Hunziker, Yared Zeleke

Produzentin: Sonja Kilbertus

Kamera: Frank Schwaiger, Pierre Reischer

Cast

Franz Oswald, Tilahun Ayele, Fasil Giorghis, Zegeye Cherenet